Orientierung für freie Gottesdienste

Sie wollen einen Gottesdienst ohne vorgegebene Form gestalten und wissen nicht, wie Sie beginnen sollen? Sie könnten mehrere Elemente nach dem Prinzip der Abwechslung von Wort und Musik oder Input und Gebet aneinanderreihen. Sie können aber auch einen Gottesdienst mit einem Spannungsbogen gestalten, einen Gottesdienst, der die Feiernden mit hineinnimmt in das Geschehen und der sie am Ende gestärkt in ihren Alltag entlässt.

Spannungsbogen mit klarer Struktur

Dazu hilft die Orientierung an einer Grunddynamik von Gottesdiensten, die sich auch in jeder bewährten Gottesdienstform entdecken lässt. Mit der Beachtung dieser Grunddynamik wird es Ihnen gelingen, den Gottesdienst als Prozess zu gestalten, der in den Feiernden etwas bewirkt.

Die Dynamik schlägt sich nieder in einer Grundstruktur aus vier Teilen: den beiden Hauptteilen Wort Gottes und Antwort der Gemeinde und den beiden Rahmenteilen Eröffnung und Abschluss. Worum geht es in den einzelnen Teilen? Aufgabe der Eröffnung ist es, sich als Feiergemeinschaft zu versammeln, sich selbst innerlich zu sammeln und sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu stellen. Im ersten Hauptteil, dem Wort Gottes, wird Gottes Wort als Botschaft an die hier konkret versammelte Gemeinde aufgenommen, und es sich anzueignen. Im zweiten Hauptteil antworten die Feiernden Gott in Lob, Dank und Bitte. Hier kann auch eine Zeichenhandlung Platz haben, die Gottes Heilszuwendung sinnenhaft erfahrbar macht. Aufgabe des Abschlussteils ist es, den Übergang vom Gottesdienst zum Leben zu gestalten und das Erfahrene ins Leben hinauszuführen.

Konkrete Füllung

Mit welchen Elementen kann dies jeweils geschehen? Da gibt es eine Fülle an Möglichkeiten, je nach Feiergemeinde unterschiedlich. Ein bewusst vollzogenes Kreuzzeichen hilft den Mitfeiernden bei sich und bei Gott anzukommen. Ein Lied, das die Gemeinde zusammenruft, lenkt den Blick auf die Gemeinschaft und auf die Gegenwart Gottes. Im Kyrie öffnen sich die Feiernden für den gegenwärtigen Christus … Es kann aber auch ganz andere Elemente geben, die die Aufgaben der Eröffnung erfüllen: Das Anzünden einer Kerze am Beginn des Gottesdienstes, das Anschlagen einer Klangschale,  eine Einladung, sich bewusst zu machen, was jede/r einzelne an Freuden und Last mitbringt in den Gottesdienst. Um zu einer Gemeinschaft zu werden, können die Mitfeiernden einander wahrzunehmen oder sich auch begrüßen … Die Wahl der passenden Elemente wird je nach Alter der Beteiligten, nach ihrer Prägung oder ihrer gottesdienstlichen Praxis unterschiedlich sein.

Das Wort Gottes wird meist durch eine Schriftlesung verkündet. Eine Aneignung kann durch eine Predigt, eine Bildbetrachtung, einen Austausch, das Aufschreiben eines Gedankens oder durch eine Zeit der Stille geschehen oder einen meditativen Tanz. Bestimmt haben Sie im Hinblick auf Ihre Mitfeiernden weitere Ideen.

Bei der Antwort der Gemeinde und dem Abschluss gibt es ebenso viele Möglichkeiten. Wenn Sie zu Beginn der Vorbereitung die im letzten Heft empfohlene Analyse mit dem Vier-Faktoren-Modell gemacht haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, passende Elemente zu wählen bzw. zu entwickeln.

Wirkung

So kann Ihnen die Orientierung an der Grunddynamik helfen einen Gottesdienst zu gestalten, der die Feiernden mitnimmt in die Bewegung zu sich selbst, zu Gott und zueinander, und der sie neu orientiert und genährt wieder in den Alltag entlässt.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsrge, Heft 3/2025, S.41.