Soft Skills im Gottesdienst

Als Liturgie-Dozentin in der Ausbildung der Pastoralen Berufe besuche ich alle Gemeindeassistentinnen und Gemeindeassistenten in ihren Einsatzpfarreien bei einem Gottesdienst. Ich gebe Feedback, bestärke, was gut ist, und identifiziere gemeinsam mit der bzw. dem Auszubildenden Entwicklungsfelder.

Ein ermutigendes Erlebnis

Kürzlich war ich bei einer Gemeindeassistentin, die noch kaum Erfahrung in der Gottesdienstleitung hatte. Für sie war es der erste Gottesdienst überhaupt in dem gegebenen Setting. Es handelte sich um einen Seniorengottesdienst in einem Generationenhaus unter sehr besonderen Bedingungen: In einem als „Marktplatz“ gestalteten offenen Foyer saßen zwölf Seniorinnen und Senioren in einem Halbkreis, einige saßen dahinter an Café-Tischen, wieder andere verfolgten den Gottesdienst von den Galerien der anderen Etagen aus. Um den „Marktplatz“ herum bewegten sich Menschen, die nichts mit dem Gottesdienst zu tun hatten.

Wie meisterte die Gemeindeassistentin die Situation? Sie begegnete den Mitfeiernden sehr aufmerksam und freundlich. Sie begrüßte jede Person persönlich und gab ihr ein großgedrucktes Liedblatt. Die Kommunion brachte sie jedem und jeder Mitfeiernden an den Platz. Bei einer Person, die Mühe mit dem Schlucken hatte, hielt sie ein Glas Wasser bereit und wartete geduldig, bis die Empfängerin die Hostie verzehrt hatte. Im Ablauf des Gottesdienstes folgte die Gemeindeassistentin im Wesentlichen der liturgischen Form der Wort-Gottes-Feier. An einigen Stellen wich sie aus Unkenntnis davon ab, doch das hatte keinen negativen Einfluss auf die Feier und deren Wirkung.

Erkennbare Haltung

Am anschließenden Feedback nahmen auch die Dame vom Begleitdienst und die Musikerin teil, die den Gottesdienst mitgestaltet hatte. Letztere meinte, die Gebetsstille im Kommunionteil wäre zu lang gewesen. Bemerkenswert war die Antwort der Gemeindeassistentin: „Ich habe gesehen, dass die Frau links an der Seite noch ins Gebet vertieft war, deshalb habe ich gewartet“. Eine solche Aufmerksamkeit zeugt von einer hohen Feierkompetenz! Die Gemeindeassistentin hatte die beteiligten Menschen in Zugewandtheit und großer Aufmerksamkeit auf achtsame Weise durch ein spirituelles Geschehen geführt, so dass diese eine wohltuende und stärkende Feier erlebten.  Hätte sie sich ausschließlich auf die Korrektheit der liturgischen Form konzentriert und nicht auf die mitfeiernden Menschen, dann hätte die Feier nicht eine solch hohe Qualität und gute Wirksamkeit erreicht.

Soft Skills machen den Unterschied

In der liturgischen Aus- und Weiterbildung lege ich besonderen Wert auf Soft Skills: Wie begegnen Gottesdienstleitende den Mitfeiernden? Wie gehen sie auf diese ein? Mit welchem Ausdruck und mit welcher Haltung leiten sie den Gottesdienst? Nur auf formale Kriterien zu achten ist mir zu wenig. Ein „korrekter“ Gottesdienst ist nicht per se ein nährender Gottesdienst, und er fördert nicht automatisch die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Ein Gottesdienst allerdings, der formal vielleicht nicht ganz perfekt ist, der aber von Achtsamkeit und Eingehen auf die Anwesenden geprägt ist, entfaltet seine Wirkung bei den Menschen.

Liebevolle Gottesdienste

Eine Erfahrung

In meiner Ausbildungszeit für den Pastoralen Dienst war ich für die Gestaltung von Schülermessen zuständig: Etwa dreißig Dritt- und Viertklässler feierten jeden Mittwoch um acht Uhr in der Pfarrkirche eine Messe. Der Gottesdienst stand auf dem Stundenplan und war verpflichtend. Den Drittklässlern sollte er der Vorbereitung auf die Kommunion dienen, den Viertklässlern der weiteren Einübung in die Messfeier. Ich hatte damals große Mühe damit, dass die Drittklässler zuschauen mussten, wie die Viertklässler die Kommunion empfingen, während sie selbst leer ausgingen. Als Auszubildende konnte ich an dem Konzept jedoch nichts ändern. Mein Unbehagen wurde noch dadurch gesteigert, dass der Priester mitten im Tagesgebet unterbrach, um einen störenden Schüler „in den Senkel zu stellen“.

Diese Erfahrung war für mich lehrreich. Ich wurde ich aufmerksam darauf, dass Gottesdienste, die Gottes Liebe vergegenwärtigen und sie feiernd vermitteln wollen, selbst einen liebevollen Charakter haben müssen. Denn die Verkündigung geschieht nicht nur mit Worten. Sie geschieht auch durch die Art und Weise, wie wir feiern.

Zwei konkrete Hinweise für eine liebevolle Gestaltung

Wie kann ich nun als Gottesdienstleiterin oder als Mitgestaltende zu einem liebevollen Charakter beitragen? Aus vielen möglichen Gesichtspunkten benenne ich hier zwei ausgewählte Hinweise:

  • Es geht darum, die Mitfeiernden wahrzunehmen. Jesus selbst hat die Menschen wahrgenommen, er hat sie gesehen, auch die am Rande, die von anderen übersehen wurden, wie den blinde Bartimäus am Straßenrand oder den Zöllner Zachäus auf dem Maulbeerfeigenbaum. Wenn diese liebevolle Aufmerksamkeit Jesu im Gottesdienst aufscheinen soll, müssen auch wir die Menschen wahrnehmen, die da sind. Wie sich diese Wahrnehmung konkret auswirkt, wird sich jeweils ergeben: sei es in einem freundlichen Blick, in einer Anpassung der Gebete an die Menschen, die Sie vor sich haben … Ein negatives Gegenbild wäre ein Absolvieren des Gottesdienstes ohne echten Kontakt und ohne Bezugnahme auf die konkret versammelte Gemeinde.
  • Es geht weiter darum, den Mitfeiernden in einer liebevollen Haltung zu begegnen. „Das Wichtigste ist, dass man die Menschen mag!“, sagte kürzlich ein Pfarrer einer lebendigen Gemeinde, als wir Kriterien für gute Gottesdienste sammelten. Er sprach mir aus dem Herzen, denn es ist auch meine Erfahrung: Wenn ich den Menschen, mit denen ich feiere, von Herzen zugewandt bin, dann springt der Funke über. Dann feiern wir in einer Atmosphäre, die uns miteinander erfahren lässt: Wir sind von Gott geliebt.
    Was aber, wenn es im Gottesdienst Menschen gibt, die ich nicht mag? Dann kann ich versuchen, sie mit dem liebenden Blick Jesu zu betrachten, und so eine zugewandte Haltung zu ihnen entwickeln.

Wenn Inhalt und Form zusammenpassen

Wenn die Verkündigung der Liebe Gottes in Worten durch eine freundliche Atmosphäre der Feier unterstützt wird, wenn also Inhalt und Form übereinstimmen, dann sind gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Verkündigung ankommt und die Botschaft die Feiernden in der Tiefe ihrer Existenz erreicht.

Echt sein

Menschen wirken überzeugend, wenn sie authentisch sind. Das gilt auch im Gottesdienst. Und im Gottesdienst kommt der Authentizität darüber hinaus noch eine weitere Bedeutung zu: Wenn ich als Gottesdienstleiterin authentisch bin – wenn ich tatsächlich tue, was ich vorgebe zu tun -, kann ich Menschen mitnehmen in die Bewegung auf Gott hin. So werde ich meiner Aufgabe als Gottesdienstleiterin gerecht.

Fünf praktische Hinweise für eine authentische Gottesdienstleitung

Wie geht das nun: Authentisch sein im Gottesdienst? Worauf kann ich als Gottesdienstleiterin achten? Dazu fünf ausgewählte Punkte:

  1. Gleich zu Beginn: Wenn ich das Kreuzzeichen mache, tue ich dies bewusst: Ich nehme mich selbst mit hinein und stelle auch mich bewusst unter die Gegenwart Gotte.
  2. Wenn ich die Mitfeiernden grüße, dann sage ich das nicht nur so dahin, weil es eben an dieser Stelle gesagt werden muss, sondern ich nehme die Mitfeiernden in den Blick und trete wirklich in Kontakt.
  3. Wenn ich die Mitfeiernden einlade: „Lasst uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat“, dann wende ich mich tatsächlich einladend der Gemeinde zu, und sammele mich gemeinsam mit ihr zum Gebet. Ich schaue nicht ins Buch oder blättere darin, um die nächste Seite aufzuschlagen.
  4. Wenn ich ein Gebet vortrage, dann lese ich nicht einfach vor, sondern ich bete. Dabei schaue ich nicht in die Gemeinde, als würde ich zur Gemeinde sprechen, sondern ich halte den Blick gesammelt bei mir.

Wenn ich eine Gebetsstille halte, dann zähle ich in dieser Zeit nicht bis zwanzig, um die angemessene Zeit abzuschätzen. Sondern ich gehe selbst ins stille Gebet. Die Zeit, die ich für das Beten brauche, ist vermutlich auch eine angemessenes Zeit für die Mitfeiernden. Sie ist jedenfalls ein sicherer Indikator für die angemessene Zeit, als ein Abzählen das sein könnte.

Einwände und Entgegnungen

Vielleicht sagen Sie: Das ist doch selbstverständlich. Aber vermutlich erleben Sie genauso oft wie ich, dass solche Punkte eben doch nicht beachtet werden. Ich erlebe immer wieder, dass die Leitenden auf den vorgegebenen Text bedacht sind, aber nicht die Haltung einnehmen, die zu der jeweiligen Sprachhandlung gehört.

Vielleicht haben Sie auch den Einwand: Wenn ich den Gottesdienst leite, muss ich mich auf die Leitung konzentrieren und kann nicht gleichzeitig beten, hören, meditieren. In der Themenzentrierten Interaktion (TZI) gibt es das Konzept der teilnehmenden Leitung: Die Leiterin oder der Leiter ist gleichzeitig als Person beteiligt und bringt sich selbst ein. Dies trägt zu einer großen Lebendigkeit bei. Und es funktioniert auch im Gottesdienst! Ich nehme meine Leitungsrolle wahr und stehe gleichzeitig selbst als Hörende, Betende, Meditierende vor Gott. Diese Spannung lässt sich halten.

Meine Überzeugung

Es ist meine Erfahrung und Überzeugung: Eine solche authentische Leitung trägt dazu bei, dass der Gottesdienst an Tiefe gewinnt und seine Kraft entfalten kann.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsrge, Heft 5/2025, S.41.

Den Anfang gestalten

Unterschiedliche Erfahrungen

An einem Ort , an dem ich gelegentlich das Mittagsgebet mitbete, erlebe ich dieses in seiner Wirkkraft sehr unterschiedlich. Fast immer wird die Sext aus der Tagzeitenliturgie genommen, und doch wirkt der kleine Gottesdienst das eine Mal lebendig und eingepasst in die Situation in der Mitte des Tages, das andere Mal wie ein Absolvieren dessen, was im Stundenbuch ja schon alles steht und nur noch gelesen und gesprochen werden muss. Die eine Variante beginnt etwa so: „In der Mitte des Tages halten wir inne, atmen durch, atmen auf …“ Die andere Variante beginnt so: „Die Psalmen befinden sich auf S. 491 ff., der Hymnus steht auf S. 145 oben. – O Gott, komm mir zu Hilfe …“

Die erste Form nimmt mich mit. Sie hilft mir, die Arbeit des Vormittags und die erwarteten Tätigkeiten und Begegnungen des Nachmittags vor Gott zu bringen. Die zweite Form ist auch ein Mir-Zeitnehmen für Gott, aber mit nur schwer herstellbarer Verbindung zu meiner gläubigen Existenz an diesem Tag.

Die Bedeutung des Anfangs

Die Gestaltung des Anfangs erfordert besondere Sorgfalt. Hier entscheidet sich, ob es gelingt, die Anwesenden mitzunehmen auf einen Weg – auf einen Weg, der einen Unterschied in ihrem Leben und Glauben macht. Es entscheidet sich, ob sie einsteigen in einen wirksamen Prozess, in dessen Verlauf sich in der Begegnung mit Gottes Heilswirken etwas in den Einzelnen und in der Gemeinschaft verändert. Einen Prozess, aus dem die Feiernden neu orientiert, getröstet, gestärkt  – oder auch irritiert und dadurch für neue Sichtweisen geöffnet – herauskommen. Um sich in diesen Prozess zu begeben, braucht es eine „geöffnete Tür“, die das Einsteigen ermöglicht.

Praktische Hinweise zur Gestaltung eines gelungenen Einstiegs

Wie kann ich als Gottesdienstverantwortliche diese Tür öffnen?
Dazu drei Hinweise:

  • Ich mache mir in der Vorbereitung auf den Gottesdienst bewusst, dass es einen Übergang braucht vom Alltag zum Gottesdienst. Alltagshandeln und Gottesdienst sind sehr verschiedene Vollzüge, für die es je eine eigene innere Haltung braucht.
  • Um diesen Übergang gut zu gestalten, führe ich mir die vermuteten Mitfeiernden vor Augen. Ich vergegenwärtige ich mir, wo die Mitfeiernden gerade herkommen, was sie möglicherweise bewegt, und was sie sich vom Gottesdienst erhoffen.
  • Ich gestalte den Übergang bewusst in einer für diese konkreten Menschen passenden Art: etwa mit der Einladung zur Wahrnehmung der Gemeinschaft, mit sparsamen Worten der Hinführung in die Öffnung für Gott, mit Stille, die es ermöglicht, sich selbst vor Gott wahrzunehmen. Auch das oben erwähnte Eröffnungsversikel „O Gott, komm mir zu Hilfe“ gehört zu den hilfreichen Elementen, die zum bewussten Eintreten in die Gegenwart Gottes beitragen. Die Wirkung des Versikels ist jedoch stärker, wenn es in einen bewusst gestalteten Übergang eingebettet ist, als wenn es unvermittelt auf die technischen Anweisungen (hier: die Mitteilung der Seitenzahlen) folgt.

Auch die Leitungsperson braucht diesen Anfang

Übrigens geht es bei der Gestaltung des Beginns nicht nur darum, einen Einstieg für die Mitfeiernden zu eröffnen. Es geht auch um mich als Leitende. Auch ich muss den Zugang finden, muss den Weg innerlich mitgehen können – für mich selbst und um der Mitfeiernden willen. Nur wenn ich selbst mit auf diesem Weg bin, kann ich auch die Mitfeiernden gut leiten. Wenn ich Worte wähle, die mir selbst helfen, und wenn ich die Zeit gebe, die mir zum Ankommen dient, dann stehen die Chancen gut, dass ich auch die Mitfeiernden abhole und mitnehme. So gehen wir im Gottesdienst gemeinsam einen Weg, auf dem wir von Gott berührt werden, und der eine Wirkung für unser Leben und Glauben hat.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsrge, Heft 4/2025, S.41.

Orientierung für freie Gottesdienste

Sie wollen einen Gottesdienst ohne vorgegebene Form gestalten und wissen nicht, wie Sie beginnen sollen? Sie könnten mehrere Elemente nach dem Prinzip der Abwechslung von Wort und Musik oder Input und Gebet aneinanderreihen. Sie können aber auch einen Gottesdienst mit einem Spannungsbogen gestalten, einen Gottesdienst, der die Feiernden mit hineinnimmt in das Geschehen und der sie am Ende gestärkt in ihren Alltag entlässt.

Spannungsbogen mit klarer Struktur

Dazu hilft die Orientierung an einer Grunddynamik von Gottesdiensten, die sich auch in jeder bewährten Gottesdienstform entdecken lässt. Mit der Beachtung dieser Grunddynamik wird es Ihnen gelingen, den Gottesdienst als Prozess zu gestalten, der in den Feiernden etwas bewirkt.

Die Dynamik schlägt sich nieder in einer Grundstruktur aus vier Teilen: den beiden Hauptteilen Wort Gottes und Antwort der Gemeinde und den beiden Rahmenteilen Eröffnung und Abschluss. Worum geht es in den einzelnen Teilen? Aufgabe der Eröffnung ist es, sich als Feiergemeinschaft zu versammeln, sich selbst innerlich zu sammeln und sich bewusst in die Gegenwart Gottes zu stellen. Im ersten Hauptteil, dem Wort Gottes, wird Gottes Wort als Botschaft an die hier konkret versammelte Gemeinde aufgenommen, und es sich anzueignen. Im zweiten Hauptteil antworten die Feiernden Gott in Lob, Dank und Bitte. Hier kann auch eine Zeichenhandlung Platz haben, die Gottes Heilszuwendung sinnenhaft erfahrbar macht. Aufgabe des Abschlussteils ist es, den Übergang vom Gottesdienst zum Leben zu gestalten und das Erfahrene ins Leben hinauszuführen.

Konkrete Füllung

Mit welchen Elementen kann dies jeweils geschehen? Da gibt es eine Fülle an Möglichkeiten, je nach Feiergemeinde unterschiedlich. Ein bewusst vollzogenes Kreuzzeichen hilft den Mitfeiernden bei sich und bei Gott anzukommen. Ein Lied, das die Gemeinde zusammenruft, lenkt den Blick auf die Gemeinschaft und auf die Gegenwart Gottes. Im Kyrie öffnen sich die Feiernden für den gegenwärtigen Christus … Es kann aber auch ganz andere Elemente geben, die die Aufgaben der Eröffnung erfüllen: Das Anzünden einer Kerze am Beginn des Gottesdienstes, das Anschlagen einer Klangschale,  eine Einladung, sich bewusst zu machen, was jede/r einzelne an Freuden und Last mitbringt in den Gottesdienst. Um zu einer Gemeinschaft zu werden, können die Mitfeiernden einander wahrzunehmen oder sich auch begrüßen … Die Wahl der passenden Elemente wird je nach Alter der Beteiligten, nach ihrer Prägung oder ihrer gottesdienstlichen Praxis unterschiedlich sein.

Das Wort Gottes wird meist durch eine Schriftlesung verkündet. Eine Aneignung kann durch eine Predigt, eine Bildbetrachtung, einen Austausch, das Aufschreiben eines Gedankens oder durch eine Zeit der Stille geschehen oder einen meditativen Tanz. Bestimmt haben Sie im Hinblick auf Ihre Mitfeiernden weitere Ideen.

Bei der Antwort der Gemeinde und dem Abschluss gibt es ebenso viele Möglichkeiten. Wenn Sie zu Beginn der Vorbereitung die im letzten Heft empfohlene Analyse mit dem Vier-Faktoren-Modell gemacht haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, passende Elemente zu wählen bzw. zu entwickeln.

Wirkung

So kann Ihnen die Orientierung an der Grunddynamik helfen einen Gottesdienst zu gestalten, der die Feiernden mitnimmt in die Bewegung zu sich selbst, zu Gott und zueinander, und der sie neu orientiert und genährt wieder in den Alltag entlässt.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsrge, Heft 3/2025, S.41.

Gottesdienste mit dem Leben verbinden

Weitverbreitete Unzufriedenheit mit den Gottesdiensten

Eine Freundin, die Religionspädagogik studiert hat und im Glauben verwurzelt ist, erzählte mir, dass sie den Gottesdient nur noch besuche, wenn sie mit dem Chor einen Einsatz habe. Sie könne die 08/15-Gottesdienste in ihrer Gemeinde nicht mehr ertragen. Immer wieder beklagen Katholikinnen und Katholiken, dass die Gottesdienste steril wirken und dass sie sich nicht angesprochen fühlen. Laut Kirchenstatistik verzichten denn auch 94% der Katholikinnen und Katholiken auch auf den regulären sonntäglichen Gottesdienst.

Vielleicht haben Sie den Wunsch, in Ihrer Praxis den Gottesdienst stärker mit dem Leben der Menschen in Verbindung zu bringen. Was kann dabei helfen?

Das Vier-Faktoren-Modell der TZI

In meinen Kursen als Liturgiedozentin bringe ich das Vier-Faktoren-Modell der TZI in die Gottesdienstvorbereitung ein. Die Teilnehmenden erzielen damit beeindruckende Ergebnisse. Sie entwickeln Gottesdienste in freier oder in einer klassischen Form, bei denen die jeweiligen Mitfeiernden im Blick sind und die den Mitfeiernden gerecht werden. Dabei ist das Vier-Faktoren-Modell erstaunlich einfach: Es besteht aus den Faktoren Ich – den einzelnen Beteiligten, sowohl Teilnehmenden als auch Leitung, Wir – der Beziehungsdynamik, Es – der Sache, und Globe – den unmittelbaren Rahmenbedingungen der Zusammenkunft sowie die nähere und weitere Umwelt. Alle vier Faktoren werden in den Blick genommen und gelten als gleich wichtig.

Für die Gottesdienstvorbereitung bedeutet dies, dass Sie nicht nur die gegebene Struktur des Gottesdienstes hernehmen und diese mit Liedern und Texten füllen, sondern dass Sie sich zunächst zu den einzelnen Faktoren Gedanken machen:

Ich: Wer sind die Mitfeiernden? Was bewegt sie? Was erwarten sie? Wie vertraut sind sie mit dieser Form von Gottesdienst? Und was bewegt mich gerade? Warum und wie möchte ich den Gottesdienst leiten oder gestalten?

Wir: Wie sind die Beziehungen der Mitfeiernden zueinander? Was kann ich hier dazu beitragen, dass Gemeinschaft – Communio – im Gottesdienst erfahren wird?

Es: Was ist der Anlass des Gottesdienstes? Was wird hier gefeiert? Worum geht es im Kern? Um welche Art von Gottesdienst handelt es sich?

Globe: Zu welcher Tageszeit und an welchem Ort feiern wir den Gottesdienst? Welche Gottesdienstform ist vorgesehen? Was gibt die Form vor und welche Spielräume bietet sie? Und im Blick auf die Umwelt: In welcher Gesellschaft leben wir aktuell? In was für einer Welt findet dieser Gottesdienst statt?

Schließlich werden auch die Beziehungen der Faktoren zueinander in den Blick genommen, z.B. Ich-Es: Welche Erfahrungen haben die Mitfeiernden mit dieser Form von Gottesdienst? Wie kann ich die Form so anpassen, dass die Mitfeiernden sich gut darin zurechtfinden? Oder wie kann ich sie, wenn ihnen das Ritual nicht vertraut ist, gut führen, so dass sie daraus genährt werden? …

Auswirkungen und Chancen

Aus der Analyse ergeben sich eine Fülle von Anregungen und Konsequenzen. Auf dieser Grundlage können Sie einen Gottesdienst gestalten, der gute Chancen dafür bietet, dass die konkreten Mitfeiernden in ihrer aktuellen Situation und im vorgegebenen Rahmen mit Gott, mit sich selbst und miteinander in Verbindung kommen.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsorge, Heft 2/2025, S.41.
Ein ausführlicher Beitrag erfolgt in der Zeitschrift Gottesdienst. (Dartum noch unbekannt.)

Liturgie – starr oder lebendig?

Liturgie – oft als starr empfunden

Wenn ich mich als Liturgie-Fachfrau vorstelle, habe ich oft den Eindruck, dass mein Gegenüber davon ausgeht, ich hätte Freude am Formalen, Starren. Das Gegenteil ist der Fall!

Viele Katholiken verstehen unter „Liturgie“ vor allem Rubriken und festgelegte Abläufe. Oftmals sind Gottesdienste auch entsprechend gestaltet: strikten Vorgaben folgend oder so normiert, dass sie an jedem Ort auf exakt die gleiche Weise gefeiert werden können, ohne dass die aktuelle Situation oder die konkret versammelte Gemeinde einen Einfluss auf die Feier hätten.

Ein formales Verständnis zeigt sich auch darin, was als gültiger Gottesdienst gilt: ein richtiges Absolvieren der Vorgaben des liturgischen Buches – unabhängig von der Anschlussfähigkeit an die konkrete Gemeinde. Und ein Sakrament, das „korrekt“ gespendet wird, ist gültig, unabhängig davon, ob die Bedeutung des Sakraments in der Atmosphäre der Feier erfahrbar wird.

Ein solch formales Liturgieverständnis zeigt sich schließlich auch darin, dass Menschen mit der Leitung von Gottesdiensten betraut werden, die aufgrund von Alter, von Sprachbarrieren oder von fehlender Vertrautheit mit den Mitfeiernden, ihrer Kultur und dem, was sie bewegt, nur sehr begrenzt in der Lage sind, den Gottesdienst den Menschen gemäß zu gestalten.

Viele Menschen erwarten mehr

Vielen Menschen ist das zu wenig. Sie können Gottesdiensten, die sich vor allem durch formale Korrektheit auszeichnen, nichts mehr abgewinnen. Sie sehnen sich nach Gottesdiensten, in denen sie „vorkommen“ und die sie nähren. Von den Gottesdiensten, die ihnen vor Ort geboten werden, haben sich viele abgewendet. Sie erleben darin keinen Mehrwert für ihr Leben.

Es gibt sie aber, Gottesdienste, die auch diejenigen Menschen ansprechen, denen die Richtigkeit des Rituals nicht genügt. Dies können auch Gottesdienste in klassischen Formen sein, die ganz lebendig sind und die die konkret versammelten Menschen betreffen und berühren.

Ein Weg zu mehr Lebendigkeit

Wie kommen wir dahin, Gottesdienste in klassischen Formen lebendig zu gestalten und dabei gleichzeitig das vorgegebene Ritual zu respektieren und wertzuschätzen?

Es hängt davon ab, wie wir die Vorgaben betrachten: Das, was im liturgischen Buch steht, nicht als „die Liturgie“ zu verstehen, sondern als ein Gerüst, mit dem die lebendige Feier gestaltet wird. Das Buch ist das Skelett, dem Fleisch, Blut und Leben hinzugefügt werden.

Es kommt darauf an, wie ich das Ritual gestalte und für welche Auswahlmöglichkeiten ich mich entscheide. Ebenso wichtig ist die Haltung, mit der ich als Gottesdienstleiterin den Mitfeiernden begegne und mit der ich sie anschaue. Entscheidend ist auch, dass ich mich beim Vorbeten tatsächlich innerlich Gott zuwende und die Gemeinde mitnehme ins Gebet. Schließlich spielt es eine Rolle, dass die Lebenssituation der Mitfeiernden in Worten und Zeichenhandlungen anklingt. – All dies macht die Feier lebendig.

Wie schon gesagt, für mich ist Liturgie etwas ganz Lebendiges, und ich habe viele Möglichkeiten, sie entsprechend zu gestalten. Mehr dazu in den folgenden Beiträgen.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form im Anzeiger für die Seelsorge, Heft 1/2025, S.40.